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Programm Projets urbains - Gesellschaftliche Integration in Wohngebieten

In vielen Schweizer Wohngebieten besteht bezüglich Wohn- und Lebensqualität Nachholbedarf: Abnehmender sozialer Zusammenhalt, Konflikte aufgrund veränderter Zusammensetzung der Bevölkerung, bauliche Unzulänglichkeiten, qualitativ mangelhafte, schlecht zugängliche Grünflächen und wenig Freizeitinfrastruktur. Mit dem Programm «Projets urbains – Gesellschaftliche Integration in Wohngebieten» unterstützt der Bund deshalb seit 2008 Kantone und Gemeinden dabei, die Lebensqualität in Quartieren mit besonderen Anforderungen zu verbessern und die gesellschaftliche Integration zu fördern.


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Das Programm Projets urbains wurde vom Bundesrat 2007 als Integrationsmassnahme beschlossen und bietet kleineren und mittelgrossen Städten sowie Agglomerationsgemeinden finanzielle und technische Unterstützung bei der Umsetzung von Quartierentwicklungsprojekten. Die Projets urbains, die im Rahmen des Programms unterstützt werden, haben das Ziel, die Lebensqualität in Quartieren, die vor sozialen und städtebaulichen Herausforderungen stehen, nachhaltig zu verbessern, günstige Voraussetzungen für die gesellschaftliche Integration zu schaffen sowie nötige bauliche Aufwertungen umzusetzen.

Gemeinden aus der ganzen Schweiz nehmen teil

In der ersten Phase (2008 bis 2011) des Programms unterstützte der Bund elf Gemeinden bei deren Quartierentwicklungsprojekten. In der zweiten Phase (2012 bis 2015) werden fünf der 2008 gestarteten Projets urbains weitergeführt sowie fünf neue Quartierentwicklungsprojekte unterstützt. Der Bund stellt pro Jahr insgesamt 550 000 Franken für das Programm zur Verfügung. Zudem wird der Bund die in den beiden Pilotphasen gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse anderen interessierten Gemeinden und Kantonen zugänglich machen. Ziel ist es, das Wissen um die komplexen Abläufe eines Quartierentwicklungprozesses bei Kantonen und Gemeinden zu verbessern und weiter zu entwickeln.

Ganzheitlicher und partizipativer Ansatz

Die Stärke der Projets urbains ist der ganzheitliche und partizipative Ansatz: Jedes Projekt sollte Massnahmen in den Bereichen Raumplanung, Wohnen, Infrastruktur, Sicherheit, Verkehr, Sozial- und Integrationspolitik aufweisen und diese koordiniert unter Einbezug aller Betroffenen - insbesondere der Bewohnerinnen und Bewohner - planen und umsetzen. Dieses Vorgehen fördert und fordert die fach- und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit in den Gemeindeverwaltungen und trägt dazu bei, dass sich ein ganzheitlicher Ansatz in den Verwaltungen etabliert. Als Gegenleistung zur Einhaltung dieser anspruchsvollen Bedingung übernimmt der Bund maximal 50 Prozent der Projektkosten der einzelnen Projekte (ohne Beiträge an Infrastrukturen), wobei die Gemeinde, der Kanton oder z.B. Stiftungen, die restlichen Kosten übernehmen. Darüber hinaus erhalten die Projektverantwortlichen fachliche und technische Begleitung sowie mit zwei jährlichen Treffen aller Beteiligter eine Plattform zum Erfahrungsaustausch.

Sechs Bundesstellen gemeinsam

Der ganzheitliche Ansatz der Projets urbains findet seinen Niederschlag auch in den Organisationsstrukturen: So ist eine departementsübergreifende Steuergruppe für das Programm verantwortlich. Sie umfasst das federführende Bundesamt für Raumentwicklung (ARE), das Bundesamt für Migration (BFM), das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO), die Fachstelle für Rassismusbekämpfung (FRB), die Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen (EKM) und in der ersten Phase bis 2011 das Bundesamt für Sport (BASPO). Diese horizontale Vernetzung auf Bundesebene findet seine Entsprechung bei den Gemeinden, welche die Verantwortung und Trägerschaft für die einzelnen Projekte übernehmen. Dadurch, dass die Kantone die Projekte finanziell und fachlich unterstützen sowie den Wissenstransfer fördern, entsteht eine tripartite Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden.

Positive Wirkungen erkennbar

Sowohl die bisherigen Realisierungen wie auch die laufenden Prozesse haben günstige Voraussetzungen für die Stärkung der sozialen Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie die Partizipation der Bewohner und Bewohnerinnen geschaffen. Der Evaluationsbericht zur ersten Phase und der Zwischenbericht zur zweiten Phase halten fest, dass die soziale Integration durch die Projets urbains gestärkt wird und viele Quartierbewohner und -bewohnerinnen davon profitieren. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die aufgebauten Strukturen, Aktivitäten und Angebote auf eine dauerhafte Basis gestellt und in der Gemeinde verankert werden. Die Bevölkerung in den betroffenen Quartieren nimmt auch die baulichen oder organisatorischen Massnahmen im öffentlichen Raum als Puzzleteile einer verbesserten Lebensqualität wahr. Konkrete und alltagsnahe Realisierungen wie Fussgängerstreifen, Sitzbänke, Spielstrassen, Tempo 30-Zonen, Spielplätze oder Sporteinrichtungen werden von allen Bewohnerinnen und Bewohnern geschätzt und verleihen den Projets urbains in den Quartieren ein Gesicht. In den Projets urbains konnte ebenfalls eine breite Palette an soziokulturellen Angeboten aufgebaut werden. Vor allem mit der Schaffung von Räumlichkeiten (Quartierzentren, Begegnungszentren) sowie der Gründung und Konsolidierung von Quartiervereinen und Netzwerken können gute Voraussetzungen für die Bereitstellung interkultureller Angebote wie auch künstlerische Aktivitäten geschaffen werden. Die Angebotspalette in den Projekten ist sehr breit und reicht von Quartierfesten, Ausstellungen, Sprachcafés, Sportveranstaltungen, Beratungsangebote für spezifische Bevölkerungsgruppen bis hin zu Musikangeboten, Spielnachmittagen und Bibliotheken.

Auch in Zukunft vielfältige Herausforderungen für Schweizer Gemeinden

Viele Schweizer Städten und Agglomerationsgemeinden stehen vor weitreichenden Entwicklungen: Eine Reihe von Faktoren treiben die Verdichtung voran, die Wohnsiedlungen der Nachkriegszeit geraten unter Erneuerungsdruck und auch beim Zusammenleben kommt es immer wieder zu Konflikten. Diese und weitere Herausforderungen, mit denen sich Städte oder einzelne Quartiere konfrontiert sehen, sind geradezu ideale Ausgangslagen, um Quartierentwicklungsprojekte nach der ganzheitlichen Methode der Projets urbains aufzugleisen. Für die Quartierentwicklung gibt es dabei keine Patentrezepte, sondern eine Vielfalt von möglichen Antworten. Konzepte, die für eine Gemeinde entwickelt werden, können von einer anderen meist nicht unverändert übernommen werden - sie bilden jedoch eine stimulierende Basis für weitere Überlegungen. Drei Voraussetzungen aber müssen überall erfüllt sein: Erstens muss der politische Wille und ein langer Atem der politisch Verantwortlichen vorhanden sein, die Projekte zu stützen. Zweitens müssen die Behörden vor Ort alle Politikbereiche in den Quartierentwicklungsprozess einschliessen: Wohnen, Stadtplanung und Raumplanung, Verkehr, Sozialwesen, Freizeit, Sicherheit, Schule und Bildung, Kultur, Migration, Umweltschutz oder auch Strassen- und Grünflächenunterhalt. Drittens müssen möglichst alle Betroffenen und Anspruchsgruppen einen Platz in den Entwicklungsprozessen finden. Dadurch entsteht ein Multi-Stakeholder-Ansatz, der etwas Einzigartiges fördert: Die Kunst, mehr Lebensqualität in benachteiligte Quartiere zu bringen.

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