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Veröffentlicht am 4. Juni 2026

«Die Diskussionen können intensiv werden»

Im Westen Lausannes arbeiten seit 2003 acht Agglomerationsgemeinden zusammen. Der Geograph und Raumplaner Benoît Biéler leitet deren Geschäftsstelle. Viele Themen des Raumkonzepts Schweiz beschäftigen auch ihn.

In Lausanne Ouest arbeiten acht Gemeinden über administrative Grenzen hinweg zusammen. Das strebt auch das Raumkonzept Schweiz an. Welche Formate gibt es für das gemeinsame Handeln?
Unsere Geschäftsstelle gewährleistet die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden. Wir organisieren Sitzungen und koordinieren die Arbeiten. Je nach Bedarf bringen wir die Gemeinden, den Kanton und weitere Akteure zusammen. Die Zusammenarbeit betrifft alle raumwirksamen Tätigkeiten, natürlich die Raumplanung, aber auch die Mobilität, die Umwelt oder die Energie: Sei es bei einer Passerelle für den Fuss- und Veloverkehr, einem IT-Tool für die Raumplanung oder der Frage, wie sich Baumkronen ausdehnen liessen. Die Diskussionen können intensiv werden, wie etwa bei der Umgestaltung des Bahnhofs von Renens zwischen den vier betroffenen Gemeinden, dem Kanton Waadt, den SBB und den Verkehrsbetrieben von Lausanne. Heute stellt das Ergebnis alle zufrieden.

Die Agglomeration Lausanne Ouest ist Teil des Handlungsraums Espace métropolitain lémanique transfrontalier. Welche Rolle spielt Ihre Agglomeration darin?
Lausanne Ouest ist ein Teil des Agglomerationsraums von Lausanne und spielt in mehrfacher Hinsicht eine bedeutende Rolle für die Region: Hier befinden sich die EPFL, die Universität und die kantonale Kunsthochschule. Die Hälfte aller Arbeitszonen der Agglomeration Lausanne sind hier im Westen. Bevölkerung und Arbeitsplätze sind gewachsen, und die Nachfrage nach Wohnungen ist anhaltend hoch. Seit etwa fünfzehn Jahren hat sich Lausanne Ouest zu einer besonders dynamischen Region entwickelt, und die Gemeinden stehen hinter dieser Entwicklung.

Die Siedlungsentwicklung nach innen ist ein planerisches Gebot des Raumkonzepts. Werden in Lausanne Ouest bestehende Gebäude ersetzt oder weiter genutzt?
Das ist unterschiedlich. Für die Kunsthochschule wurden die Gebäude der Kleiderfabrik Iril in Renens umgebaut. Die Studentinnen und Studenten arbeiten in Räumen, in denen einst Arbeiterinnen und Arbeiter Kleider herstellten. Auf den Böden sind noch die Spuren von Maschinen zu sehen. Unser derzeit grösstes Entwicklungsgebiet befindet sich in Malley, wo drei Gemeinden zusammentreffen. Auf dem Gelände, wo einst der städtische Schlachthof und das Gaswerk standen, entsteht ein neues Zentrum mit Wohnungen und Büros. Hier bleibt ein alter Kugelspeicher des Gaswerks als Zeuge der früheren Nutzung stehen.

Das Raumkonzept will Siedlungen in hoher Qualität erneuern. Daher soll beispielsweise das baukulturelle Erbe bewahrt werden. Wie gehen Sie in Lausanne Ouest vor?
Unser baukulturelles Erbe ist vor allem eines des 20. Jahrhunderts. Abgesehen von den Dorfkernen gibt es keine älteren Bauten. Im Gegensatz zu den Bauten früherer Jahrhunderte wurden solche des letzten Jahrhunderts lange unterschätzt. Der ehemalige Architekturprofessor an der EPFL Bruno Marchand untersuchte, welche Gebäude in Lausanne Ouest architektonisch und städtebaulich wertvoll sind. Dazu zählt etwa das Quartier de la Piscine in Renens. Zwölf Wohnhäuser wurden in den 1970er-Jahren aus vorfabrizierten Elementen gebaut. Ihre Eigentümerinnen und Eigentümer wollen sie sanieren oder haben das schon gemacht. Mit der Studie von Marchand wollen wir alle, die eine Sanierung planen, für die Qualitäten der Gebäude sensibilisieren.

Das Raumkonzept will die blau-grüne Infrastruktur stärken. Möchte auch Lausanne Ouest Gewässer und naturnahe Räume ausdehnen und vernetzen?
Das ist hier anspruchsvoll. Die Region wurde im 20. Jahrhundert grösstenteils überbaut, es gibt Bahninfrastrukturen, die Autobahn, Arbeitsplatzzonen. Die blau-grüne Infrastruktur ist bloss punktuell vorhanden und fragil. Wir wollen sie stärken. In Crissier beispielsweise wurde der Bach La Mèbre renaturiert und ein Park angelegt. Und bei der Verlängerung des Trams von Lausanne nach Renens werden nicht nur das Trassee und Wege für den Velo- und Fussverkehr gebaut, sondern auch Bäume gesetzt. Mit einem gemeinsamen Richtplan haben sich die Gemeinden von Lausanne Ouest auch Ziele zur Landschaft, ökologischen Vernetzung und grünen Korridoren gesetzt.

Sind die Themen in Lausanne Ouest identisch mit den Themen des Raumkonzepts?

Ja und Nein. Wir teilen die gleichen Fragen und Themen mit anderen Agglomerationen. Mich interessiert aber mehr, worin sich andere Regionen von uns unterscheiden. Alpine und touristische Regionen etwa befassen sich mit anderen Themen. Das Raumkonzept macht uns diese Vielfalt und diesen Reichtum bewusst.

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