«Die künftige Mobilität hängt davon ab, ob es für die ältere Generation bezahlbaren Wohnraum an zentralen Lagen gibt»
In welchen Branchen lassen sich am meisten Ressourcen sparen? Ist Innenentwicklung nachhaltig? Antworten von Susanne Kytzia, Professorin an der Ostschweizer Fachhochschule. Sie lehrt und forscht zu nachhaltigem Infrastrukturbau.
Was verstehen Sie unter Kreislaufwirtschaft?
Die Vorstellung eines urbanen Stoffkreislaufs zielt darauf, dass Menschen ihre Bedürfnisse befriedigen, ohne die natürlichen Ressourcen zu übernutzen. Welche Strategie sie dazu wählen, hängt ab von der Ressource und den daraus hergestellten Gütern: Metalle beispielsweise kann man gut wieder verwenden, beim Boden geht es weniger gut.
Welche Branchen können am meisten Ressourcen sparen?
Branchen, die ihre Wertschöpfungskette in der Schweiz haben, das sind die Land- und Bauwirtschaft. Grossen Einfluss haben auch private Haushalte sowie öffentliche und staatlich regulierte Dienstleistungen und Betriebe, die uns beispielsweise mit Strom, Wärme oder Wasser versorgen und Abfälle sowie Abwasser entsorgen.
Die Bauwirtschaft steuert etwa die Hälfte des inländischen Ressourcenverbrauchs bei. Dabei handelt es sich um mineralische Ressourcen wie Kies und Sand für den Beton sowie Kalkstein, Mergel und Ton für den Zement. Zum inländischen Ressourcenkonsum kommt der Verbrauch für Güter, die im Ausland hergestellt und in die Schweiz eingeführt werden, etwa wenn dafür Eisen oder Kupfererze abgebaut werden. Bei den Treibhausgasemissionen ist der Betrieb von Infrastrukturen entscheidend, das heisst, wie wir Gebäude und Verkehrswege nutzen. Der Verkehr und die Gebäude stossen erhebliche Mengen an Treibhausgasen aus.
Die Innenentwicklung vermeidet das Bauen an der Peripherie. Damit werden weniger Ressourcen für den Bau von Infrastrukturen verbraucht, und die Ressource Boden wird geschont. Richtig?
Das kann man so sehen. Allerdings verbraucht es mehr Ressourcen, den Wert von Infrastrukturen zu erhalten als einzelne Netzabschnitte neu zu bauen, insbesondere bei Verkehrsinfrastrukturen. Hinzu kommt der Ausbau von Infrastrukturen innerhalb bestehender Siedlungen. Baut eine Stadt wie Zürich ihr Fernwärmenetz aus oder überdeckt eine Autobahn, ist das sehr ressourcenintensiv. Insofern verbessert die Innenentwicklung die Bilanz nicht wesentlich.
Ersatzneubauten haben einen schlechten Ruf punkto Ressourcenverbrauch. Teilen Sie diese Auffassung?
Ersatzneubauten sind dann gerechtfertigt, wenn sie weniger Wohnfläche pro Kopf zur Verfügung stellen und ohne fossile Energiequelle auskommen. Die letzten zwanzig Jahre haben wir aber zu wenig Fortschritte in diese Richtung gemacht. Weil Ersatzneubauten sehr teuer sind, wird deren Wohnfläche nicht verkleinert, sondern vergrössert, damit sie teuer verkauft oder vermietet werden können. Damit entfällt das erste Argument für einen Ersatzneubau. Wärmepumpen und Fernwärmeleitungen lassen sich auch in bestehende Gebäude einbauen. Damit ist auch der zweite Grund nicht mehr gegeben.
Die Mobilitätsentwicklung will den Fuss- und Veloverkehr, den ÖV und das Teilen von Fahrzeugen fördern. Begünstigt das die Kreislaufwirtschaft?
Das ist offensichtlich. Diese Mobilitätsformen benötigen weniger Materialien. Mir bereitet aber Sorgen, dass sich die ältere Generation schwer dazu bewegen lässt, vom Auto auf andere Mobilitätsformen umzusteigen. Diese Generation stellt künftig die Mehrheit und hat viel Freizeit. Das Umsteigen ist eng verknüpft mit der Wohnform. Bleiben ältere Menschen in peripheren Lagen wohnen, behalten sie ihr Auto. Die Planung der künftigen Mobilität hängt daher davon ab, ob wir es schaffen, der älteren Generation bezahlbaren Wohnraum an zentralen Lagen anzubieten. Dann steigt sie eher auf den ÖV oder andere Angebote um.

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Eine Fabrikhalle zu einem Café umfunktionieren, Bahnschotter aufbereiten, eine Weide zur Fruchtfolgefläche aufwerten: Kreislaufwirtschaft senkt den Ressourcenverbrauch und die Treibhausgasemissionen. Wie die Raum- und Verkehrsentwicklung dazu beitragen, erfahren Sie im neuen Newsletter des ARE.

