Siedlungen, die kurze Wege, Bewegung und Begegnung fördern
Die acht Projekte befassen sich mit der Frage, wie neue oder bestehende Siedlungsgebiete (Quartiere, Gemeinden) geplant beziehungsweise weiterentwickelt werden können, damit Bewohner/innen alltägliche Bedürfnisse zu Fuss erledigen können. Dabei rücken auch Bewegung, Sport, soziale Kontakte, Naturerlebnisse und Biodiversität in den Blick.
Frauenfeld (TG): Schleichwege und Trampelpfade erfassen
Besonders bei Kindern und Jugendlichen sind Schleichwege und Trampelpfade beliebt. Doch nur selten sind sie in der Verkehrsplanung berücksichtigt. Werden diese Wege und Verbindungen langfristig erhalten, rechtlich gesichert und zu einem robusten Fusswegnetz ausgebaut, stärken sie den Langsamverkehr nachhaltig.
Kloten (ZH): Die Quartierbevölkerung baut einen Treffpunkt
Die Stadt Kloten nahm die geplante Verdichtung eines sozial schwachen Quartiers zum Anlass, den bestehenden Grünraum zu verbessern. Er ist zwar flächenmässig grosszügig, in seiner Qualität aber nicht befriedigend. Zusätzlich belastet starker Autoverkehr das Quartier. Neben der Gemeinde halfen die verschiedenen Immobilieneigentümer, Vereine und der ansässige Kindergarten, das Mitwirkungsverfahren in Gang zu bringen.
Terre di Pedemonte (TI): Quartierstrassen werden Nachbarschaftsräume
Ein- und Zweifamilienhäuser sind in den Agglomerationen weit verbreitet. Diese Wohnform ist beliebt, hat aber Nachteile, wenn es darum geht, Bewegung und Begegnungen im Quartier zu vereinfachen. Denn die Strassen zwischen diesen Häusern sind meist für den motorisierten Individualverkehr angelegt.
Jurabogen (BE, JU, NE, VD): Vier Städte wollen ihre Zentren vom Verkehr entlasten
Mit dem Auto zu pendeln, ist weit verbreitet. Die Folgen sind gravierend, auch in Städten. Sind die Parkplätze durch Autos von Pendlerinnen und Pendlern belegt, stehen sie für kurzes Parken nicht zur Verfügung. Zudem kommt es während den Stosszeiten häufig zu Staus, und die Strassen sind für den Fuss- und Veloverkehr unattraktiv. Isolierte Massnahmen bringen jedoch wenig. Die vier Städte im Jurabogen – Neuenburg, Delsberg, Le Locle und Biel – haben sich deshalb zusammengetan. Mit dem Projekt untersuchten sie anfänglich auf der Basis einer Studie die Wechselwirkungen zwischen Pendlerverkehr und der Attraktivität der Zentren für die Wirtschaft und das Wohnen – Beziehungen, die bisher wenig im Fokus standen.
Bern (BE) und Zürich (ZH): Begegnungszonen werden belebte Orte
Damit Kinder im Freien spielen, sich bewegen und begegnen, muss der Aussenraum genügend attraktiv sein. Der Fachverband Fussverkehr Schweiz als Projektträger er- probte deshalb in Zürich und Bern, wie bestehende, aber unbelebte Begegnungszonen (Tempo 20 km/h) mit bescheidenem finanziellem Aufwand temporär bespielt und belebt werden können. Dabei bewährte sich die Zusammenarbeit mit dem Dachverband für offene Kinder- und Jugendarbeit (DOJ) und eine Arbeitsgruppe aus beiden Stadtverwaltungen.
Riehen (BS): Ein Film bringt die Ansprüche an Wohn- und Freiraum auf den Punkt
Das 17,6 Hektaren grosse Stettenfeld ist das bedeutendste Entwicklungsgebiet der Gemeinde Riehen (BS). Neben Raum fürs Wohnen sind auch Sportplätze und Familiengärten sowie Lager- und Werkstätten geplant. Dieses Modellvorhaben zeigt, wie wertvoll in der Schweiz zentrumsnaher Freiraum ist. Die besagte Fläche in Riehen ist schon seit Jahrzehnten umstritten, mehrere Planungsvorschläge hatten in der Vergangenheit an der Urne Schiffbruch erlitten.
Milvignes (NE): Eine junge Gemeinde fördert den Sport und den öV
Wie andere Gemeinden auch kämpft Milvignes mit dem Problem, dass der öffentliche Verkehr zwar attraktiv ausgebaut, aber ungenügend ausgelastet ist. Die 2013 aus einer Fusion von drei Kommunen hervorgegangene Gemeinde nutzte deshalb das Modellvorhaben, um die Bevölkerung anzuregen, vermehrt auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen.
Yverdon-les-Bains (VD): Stadtoasen für alle – in fünf Minuten erreichbar
Yverdon-les-Bains ist zwar attraktiv am See gelegen und verfügt über Naherholungsgebiete. Doch in der Stadt selbst sind Grünzonen Mangelware. In der eng bebauten Innenstadt ist es kaum möglich, neue Pärke anzulegen. Und auch in den Neubaugebieten gibt es zu wenig Grün. Nun will die Stadt dafür sorgen, dass alle Bewohnerinnen und Bewohner innert fünf Minuten zu Fuss einen Grünraum erreichen. Besonders im Fokus stehen dabei die älteren Menschen: Die immer häufiger auftretenden sommerlichen Hitzewellen verstärken die Gewohnheit dieser Altersgruppe, in den eigenen vier Wänden zu bleiben, was zu Vereinsamung führt.