Identitätsstiftend: Die Fusionsgemeinde Ilanz/Glion (GR) wächst zusammen

2014 schlossen sich 13 Gemeinden in der Region Surselva zur Grossgemeinde Ilanz/Glion zusammen. Die Fusion bedeutete in vielen Bereichen einen grossen Gewinn. Der Wegfall der politischen Kleinstrukturen hat jedoch auch Schattenseiten. So verstärkte sich mit der Fusion der generelle Trend, dass sich Menschen vom Dorfleben ins Private zurückziehen. Das Modellvorhaben will Potenziale von dörflicher Nachbarschaft und lokaler Identität für die Regionalentwicklung erheben und aktivieren.

2.3 Ilanz Glion
Potenziale von dörflicher Nachbarschaft und lokaler Identität für die Regionalentwicklung sollen erhoben und aktiviert werden.
Quelle: Fotoarchiv der Gemeinde Ilanz/Glion

Sechs Jahr nach der grossen Fusion hat die neue Gemeinde Ilanz/Glion eine tüchtig funktionierende Verwaltung und einen bunten Strauss an Projekten im Köcher. Anstelle des so entlasteten Milizsystems sind aber nicht automatisch neue zivilgesellschaftliche Initiativen getreten. Wie in vielen Orten schwindet die bisherige dörfliche Identität, hier aber ohne dass eine neue Identität und selbstverständliche Zugehörigkeit zur neuen Gemeinde schon da wäre.

Eine neue lokale Identität mit «nahen» und «fernen» Akteuren entwickeln

Mit dem Modellvorhaben will die Gemeinde Ilanz/Glion dem identitätsstiftenden Potenzial des lokalen gesellschaftlichen Lebens und den Bedürfnissen nach aktiver Teilhabe nachgehen. Dabei wird auch dem Umstand Rechnung getragen, dass es immer wieder die gleichen, wenigen Akteure der Zivilgesellschaft sind, die das öffentliche soziale Leben mitgestalten, während die Sichtweisen der weniger Aktiven unbekannt bleiben. Das Modellvorhaben will beide Gruppen – die «Nahen» und die «Fernen» – in den Entwicklungsprozess einbinden, ihre Bedürfnisse und Verhaltensmotive erheben und sie zwangslos zur sozialen Interaktion auf neuen Pfaden animieren. Damit soll ein anregender Prozess des gegenseitigen Kennenlernens über dörfliche, kulturelle oder soziale Grenzen hinweg in Gang kommen, der auch die Erfahrungen mit den Traditionen, gesellschaftlichen Strukturen und des reichen Vereinsleben aufnimmt.

«Weiche» Faktoren in die Standortentwicklungsstrategie einbringen

Die bisherigen kommunalen und regionalen Planungsinstrumente haben das Wohnen und die lokale Identität vornehmlich unter planerisch-städtebaulichen und infrastrukturellen Gesichtspunkten betrachtet. Das Modellvorhaben bringt nun gesellschaftliche Aspekte und «weiche» Faktoren für eine ganzheitliche Betrachtung ein. Denn nachbarschaftliches Zusammenleben, soziale Integration und zivilgesellschaftliches Engagement bilden wichtige Faktoren der Wohnortattraktivität und Lebensqualität.

Letzte Änderung 16.04.2020

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Kontakt

Institut für Vielfalt und Gesellschaftliche Teilhabe, IVGT, Dep. Soziale Arbeit, ZHAW

Dr. Peter Streckeisen

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