Klima: Schutz und Anpassung

Damit die Schweiz bis 2050 klimaneutral sein wird, will das ARE nicht nur zur Anpassung an den Klimawandel beitragen, sondern auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Mit etlichen Programmen und Pilotprojekten trägt das ARE dazu bei, dass der Klimawandel gedämpft wird. 

Picknick im Schatten von Blutbuchen im Kurpark Baden
Parks und grüne Freiflächen mit einem ausgeprägten Baumbestand wie der Kurpark in Baden dienen an heissen Tagen als wichtige Entlastungsräume für die Bevölkerung.
© Stadt Baden; Quelle: Hitzeangepasste Siedlungsentwicklung (2021), Kanton Aargau

Seit dem späten 19. Jahrhundert stieg in den Alpen die durchschnittliche Temperatur um rund zwei Grad an – doppelt so stark wie weltweit. In den letzten Jahren nahmen Extremwetterereignisse zu, die sich auf Raumentwicklung und Verkehrsinfrastrukturen mannigfach auswirken: Wasserknappheit, Hitzewellen und Naturgefahren wie Hochwasser, Murgänge oder Starkniederschläge werden unsere Siedlungen, Gebäude und Infrastrukturen und damit auch Menschenleben vermehrt gefährden. Die Schweiz hat deshalb das Übereinkommen von Paris (2015) ratifiziert, das alle Staaten verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Der Bundesrat hat im August 2019 beschlossen, die Treibhausgasemissionen in der Schweiz bis 2050 auf Netto-Null zu senken. Damit die Schweiz dieses ehrgeizige Ziel erreicht, müssen die Treibhausgasemissionen in den nächsten Jahren stark zurückgehen. 

 

Emissionen vermeiden: Verkehr und Raum besser koordinieren

Die Verkehrs- und Raumplanung als klassische Querschnittaufgaben sind gefordert, die Folgen des Klimawandels abzufedern. So verlangt das 2013 revidierte Raumplanungsgesetz, Siedlungen konsequent nach innen zu verdichten. Indem Kantone und Gemeinden den Flächenverbrauch verringern, bremsen sie die Zersiedlung und ermöglichen es, die Wege zu verkürzen: So reduziert sich der Energieverbrauch und verringern sich die Treibhausgasemissionen.

Um das von der Schweiz bis 2050 anvisierte Netto-Null-Ziel zu erreichen, muss sie in vielen Bereichen und auf allen staatspolitischen Ebenen wirksame Massnahmen ergreifen, um den Treibhausgasausstoss zu senken. Insbesondere gilt dies für den Verkehr, wo die CO2-Emissionen trotz technischer Fortschritte immer noch steigen. Die vom ARE zusammen mit weiteren Bundesämtern periodisch erstellten Verkehrsperspektiven (zurzeit für 2050) weisen überdies darauf hin, dass die Mobilität weiterhin stark wächst. Bei der aktuellen Überarbeitung des Sachplans Verkehr, Teil Programm strebt der Bund deshalb an, das Gesamtverkehrssystem noch besser zu koordinieren und dieses enger mit der Raumentwicklung abzustimmen. Effizientere Transportmittel und Wegeketten sollen die Energieeffizienz des Gesamtverkehrs markant erhöhen und damit die Klimaneutralität bis 2050 ermöglichen. Das ARE leitet die Revision des Programmteils des Sachplans und arbeitet dabei eng mit den UVEK-Ämtern und den Kantonen zusammen. Nach der Verabschiedung durch den Bundesrat ist der Sachplan behördenverbindlich.

Schneller mit dem Frachtvelo: Statt im Stau stecken zu bleiben, kommt die Ware fristgerecht zur Kundschaft.
© John Patrick Walder; Quelle: Mobilitätsakademie AG

Instrumente für eine nachhaltige Mobilität

Das Programm Agglomerationsverkehr des Bundes fördert eine konsequentere Abstimmung von Siedlung, Verkehr und Landschaft in den Agglomerationen. Zudem zielt es darauf ab, den motorisierten Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr zu verlagern und den Velo- und Fussverkehr zu stärken. Das ARE berechnet jährlich die externen Kosten des Verkehrs, darunter die Klimakosten. Diese fliessen in die Tarife der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) ein. Die LSVA trägt in der Schweiz seit 20 Jahren entscheidend dazu bei, den Transitverkehr auf die Schiene zu verlagern und Emissionen zu vermindern, so wie es die Verfassung vorsieht. Das ARE beteiligt sich zudem am Förderprogramm des Dienstleistungszentrums für innovative und nachhaltige Mobilität (KOMO) des Bundesamts für Energie (BFE). KOMO unterstützt Projekte mit neuen Ansätzen für eine nachhaltigere Mobilität. Gemeinsam mit UVEK-Ämtern geht das ARE seit Kurzem der Frage nach, wie der Wirtschaftsverkehr in urbanen Räumen umwelt- und klimaverträglicher gestaltet werden kann.

Strategien auf nationaler und internationaler Ebene

In der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030, die unter Federführung des ARE entsteht, ist «Klima, Energie, Biodiversität» eines der drei Schwerpunktthemen. Beim Thema Klima legt die Strategie das Gewicht darauf, Treibhausgasemissionen stark und rasch zu reduzieren, die klimabedingten Risiken zu minimieren und die Anpassung an den Klimawandel voranzutreiben. Im Rahmen der Alpenkonvention engagiert sich die Schweiz gemeinsam mit den Alpenländern für den Schutz und die nachhaltige und klimaverträgliche Entwicklung des Lebensraums Alpen. Der Alpine Klimabeirat setzt sich für Klimaneutralität und -resilienz in den Alpen ein, wie dies im Alpinen Klimazielsystem 2050 festgelegt ist. Die Schweiz hat 2021 und 2022 den Vorsitz der Alpenkonvention inne und richtet dabei den Fokus ebenfalls auf das Klima. Schliesslich unterstützt das ARE mit dem internationalen Architekturwettbewerb «Constructive Alps» seit 2011 alle zwei Jahre Bauherrschaften und Architekturbüros, die im Alpenraum klimaschonend sanieren und bauen.

Nebst den Massnahmen zur Senkung des Treibhausgasausstosses ist auch die Anpassung an die nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels weiterhin ein wichtiges Thema des ARE. Mitte August 2020 verabschiedete der Bundesrat dazu den neuen Aktionsplan 2020–2025. Darin möchte das ARE die bisherigen Bestrebungen zur Anpassung an den Klimawandel weiterführen und das Hauptziel voranbringen: Die Anpassungsfähigkeit der Raumentwicklung gegenüber dem Klimawandel soll erhöht und dessen Schadenspotenzial verringert werden.

Das ARE will die Massnahmen fortsetzen, die es bereits seit 2014 umsetzt. So erarbeitete das ARE zusammen mit den Kantonen die Arbeitshilfe «Klimawandel und Raumentwicklung für Planer» (2013) die Handlungsmöglichkeiten und Beispiele enthält.

Mit der Publikation «Hitze in Städten – Grundlage für eine klimaangepasste Siedlungsentwicklung» (2018) zeigen das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und das ARE auf, wie Innenstädte trotz wärmerem Klima eine angenehme Aufenthalts- und Wohnqualität bieten und der Hitzeinseleffekt eingedämmt werden können.

Die Publikation «Risikobasierte Raumplanung. Risiken abwägen: Instrumente, Chancen und Erfahrungen aus Sicht von Kantonen, Gemeinden, Raumplanern und Architekten» (2019) des BAFU und des ARE stellt anhand von Fallbeispielen vor, wie ein risikobasierter Ansatz die raumplanerische Umsetzung der Gefahrenkarten ergänzen kann.
 

Staatliche Instrumente gegen den Klimawandel

Förderung innovativer Projekte und Weiterentwicklung raumwirksamer Politiken

Im Rahmen des Interreg-IVB-Projekts CLISP (2011) beschäftigte sich das ARE intensiv mit der Thematik Raumentwicklung und Klimawandel. Das Ergebnis zeigt, dass nicht neue Instrumente in der Raumentwicklung geschaffen werden sollten, sondern die bestehenden Instrumente besser umgesetzt, respektive weiterentwickelt werden müssen.

Das BAFU hat zur Unterstützung der Kantone, Regionen und Gemeinden Pilotprogramme zur «Anpassung an den Klimawandel» lanciert, in dessen Rahmen das ARE mehrere Projekte unterstützte oder neu unterstützt:

Zur Umsetzung der Agenda 2030 lancierte das ARE unter anderem das Förderprogramm Nachhaltige Entwicklung 2020 – 2021: «Nachhaltiger Lebensstil – gut für Klima und Biodiversität».

Im Rahmen des Interreg-Alpenraumprogramms koordiniert das ARE die Teilnahme von Schweizer Partnern an Projekten zu den Themen Klimaschutz und -anpassung. Beispiele sind AlpInnoCT (Verlagerung im Güterverkehr), PEACE_Alps, IMEAS (Nachhaltiges Energiemanagement und Energieplanungen) und melinda (Innovative Verkehrsmodelle). Auch in der neuen Periode des Alpenraumprogramms 2021 – 2027 werden Klimaschutz und -anpassung Schwerpunkte sein.

Schliesslich wurden der Klimawandel und seine Herausforderungen bei der Weiterentwicklung des Raumkonzepts Schweiz, der Agglomerationspolitik des Bundes 2016+ sowie bei der Politik der ländlichen Räume und Berggebiete aufgenommen. Diese Politiken haben die Ziele gemeinsam, Emissionen zu reduzieren und die Resilienz gegenüber den Folgen des Klimawandels zu erhöhen.

ARE und BAFU organisieren gemeinsam jährliche Veranstaltungen, um den Erfahrungs- und Informationsaustausch zu fördern. Dabei werden Planungsgemeinden, Naturgefahrenfachleute, Architekten und Landschaftsplanerinnen sowie Behörden für die Themen wie «Hitze in Städten», «risikobasierte Raumplanung» und «Starkniederschläge in urbanen Gebieten» sensibilisiert.

Kontakt

Bundesamt für Raumentwicklung ARE

Melanie Gicquel

+41 58 46 240 64

Kontaktinformationen drucken

https://www.are.admin.ch/content/are/de/home/staedte-und-agglomerationen/strategie-und-planung/klima.html