Die Bevölkerung dicht besiedelter Gebiete ist in der Schweiz weniger weit unterwegs

Ittigen, 05.04.2018 - Mit steigender Dichte sinken innerhalb der Schweiz die zurückgelegten Distanzen – und umso mehr geht man zu Fuss und benutzt den öffentlichen Verkehr. Einwohnerinnen und Einwohner der am dichtesten besiedelten Gebiete unternehmen allerdings häufiger Reisen mit Übernachtungen als die restliche Bevölkerung. Diese Erkenntnisse stellt der Bericht «Dichte und Mobilitätsverhalten» vor, den das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) in Auftrag gegeben hat.

Das Mobilitätsverhalten hängt von der Anzahl Einwohnerinnen und Einwohner sowie der Arbeitsplätze in der Umgebung des Wohnorts ab. Zu diesem Schluss kommt der vom ARE in Auftrag gegebene Bericht «Dichte und Mobilitätsverhalten», der die Daten des Mikrozensus Mobilität und Verkehr von 2015 analysiert hat.

Bevölkerung dichter Gebiete ist mehr mit dem ÖV und zu Fuss unterwegs

Die Studie bestimmt Dichte in Abhängigkeit von der Anzahl Einwohnerinnen und Einwohner sowie der Anzahl Arbeitsplätze in der Umgebung des Wohnorts. Sie zeigt auf, dass die Bevölkerung, die in den am dichtesten besiedelten Gebieten der Schweiz lebt, 9 Prozent der Distanzen zu Fuss und 41 Prozent mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegt. Diese Anteile sind bei der Bevölkerung der am schwächsten besiedelten Gebiete merklich kleiner. Sie bewältigt nur gerade 4 Prozent der Distanzen zu Fuss und 16 Prozent mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese Unterschiede widerspiegeln sich in den Anteilen der mit dem Auto gefahrenen Distanzen: 77 Prozent in den am wenigsten dichten Gebieten, bloss 44 Prozent in den dichtesten Gebieten.

Mit zunehmender Bevölkerungsdichte verringert sich auch die täglich im Inland zurückgelegte Distanz. So sinken bei zunehmender Bevölkerungsdichte die zurückgelegten Distanzen bei allen Verkehrszwecken. Die Einwohnerinnen und Einwohner in den am dichtesten besiedelten Gebieten legen im Vergleich zur Bevölkerung der am dünnsten besiedelten Gebiete täglich fünf Kilometer weniger in ihrer Freizeit, zwei Kilometer weniger für die Arbeit und drei Kilometer weniger für Einkäufe zurück.

Mehr Autos und Elektrofahrräder in spärlich besiedelten Gebieten

Bei der Bevölkerung in den am dichtesten besiedelten Gebieten besitzt die Hälfte der Haushalte kein Auto, hingegen sind es in den am schwächsten besiedelten Gebieten lediglich 8 Prozent der Haushalte. Bei den Elektrofahrrädern ist dieselbe Tendenz festzustellen: In den am dünnsten besiedelten Gegenden besitzen 9 Prozent der Haushalte mindestens ein E-Bike, in den am dichtesten bevölkerten Quartieren dagegen bloss 3 Prozent. Dagegen ist in den dichtesten Gebieten beinahe eine von zehn Personen an ein Carsharing-Netz angeschlossen, während es im gesamtschweizerischen Durchschnitt nicht einmal eine von zwanzig ist.

Die Studie untersucht auch Reisen mit Übernachtungen, wovon knapp vier Fünftel der Distanzen mit dem Flugzeug zurückgelegt werden. Die Anzahl der Reisen mit Übernachtungen sind über die Bandbreite der Bevölkerungsdichte hinweg ähnlich, mit Ausnahme des oberen und unteren Endes der Skala: Die Bevölkerung in den am spärlichsten bewohnten Gebieten unternimmt weniger Reisen mit Übernachtung als die restliche Bevölkerung. Dagegen buchen die Menschen aus den dichtesten Gegenden mehr Reisen mit Übernachtungen. Dieser Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdichte und Reisen mit Übernachtungen lässt sich durch sozioökonomische Faktoren und Lebensstile (Wahl des Wohnsitzes in dicht besiedelten Gegenden und Vorliebe für Flugreisen) erklären. Die insgesamt jährlich von den Einwohnerinnen und Einwohnern der Schweiz zurückgelegten Distanzen im In- und Ausland sind indes unabhängig von der Bevölkerungsdichte.

Die Ergebnisse der Studie bestätigen, dass die von der Raumplanungsgesetzgebung angestrebte Siedlungsentwicklung nach innen auch verkehrliche Vorteile zeitigt. Entsprechend kommt der gezielten Weiterentwicklung der Gesamtverkehrsinfrastruktur insbesondere innerhalb der urbanen Räume, wie sie das Programm Agglomerationsverkehr anstrebt, besondere Bedeutung zu.

Publikation zur Mobilität in den ländlichen Räumen
Der ebenfalls im Auftrag des ARE erstellte Bericht «Mobilität in den ländlichen Räumen» zeigt auf, dass der Anteil der Wege innerhalb der ländlichen Räume grösser ist als der Anteil der Wege, die von einer ländlichen Gemeinde in ein urbanes beziehungsweise periurbanes Gebiet führen.


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