Alpine Bauten aus der Schweiz gewinnen zwei Hauptpreise bei Architekturwettbewerb

Ittigen, 16.09.2022 - Die Schweiz und Liechtenstein haben am 16. September 2022 zum sechsten Mal den Architekturpreis «Constructive Alps» für nachhaltiges Sanieren und Bauen in den Alpen verliehen. Von rund 240 eingereichten Projekten aus sieben Ländern zeichnet die Jury elf herausragende Gebäude aus. Sie verbrauchen möglichst wenig Boden, setzen Holz als Baustoff ein und produzieren den Strom selber.

Die Architektinnen und Architekten der ausgezeichneten Gebäude haben den natürlichen Ressourcen und den Bautraditionen des Alpenraumes besonders Sorge getragen. Die Bauten zeigen exemplarisch, wie Architektur Ästhetik und Nachhaltigkeit zusammenbringen kann. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie möglichst wenig Boden verbrauchen, nachwachsende Baumaterialien einsetzen und den Bedarf an Energie möglichst tief halten oder selber decken. Die ersten drei Ränge und damit die Preissumme von 50 000 Euro teilen sich in der diesjährigen Ausgabe von Constructive Alps vier Projekte, wovon zwei aus der Schweiz sind. Das Bundesamt für Raumentwicklung ARE engagiert sich in der Trägerschaft des Wettbewerbs.

Den ersten Preis gewinnt das 2020 erbaute Schulhaus Feld in Azmoos (SG). Es ersetzt das alte Schulhaus, in dem achtzig Kinder den Unterricht besucht hatten. Im grösseren Neubau, der auf gleich grossen Fläche steht, gibt es nun Platz für zweihundert Schülerinnen und Schüler. Der Holzbau überzeugt, weil er sozial und ökologisch nachhaltig ist, indem er unter anderem Begegnungsräume schafft und mit Photovoltaik auf dem Dach seinen Energiebedarf deckt. 

Der zweite Preis ging dieses Jahr an zwei Projekte: Der Firmenhauptsitz des Heizungsspezialisten ÖkoFEN France in Saint-Baldoph, nahe bei Chambéry, sowie die Wohnüberbauung Ghiringhelli in Bellinzona (TI). Der Bau von ÖkoFEN France ist von der tragenden Konstruktion bis zur Gebäudehülle aus Massivholz ausgeführt. Das Projektteam setzte städtebauliche Akzente am Übergang der Industriezone zum angrenzenden Feuchtgebiet, indem es beispielsweise einen baumbestandenen Innenhof angelegt hat. Die Wohnüberbauung Ghiringhelli ist ebenfalls aus Holz konstruiert und verbindet ökologische Anliegen mit einer qualitätsvollen Innenentwicklung sowie einem erschwinglichen Wohnraumangebot. Traditionelle Laubengänge schaffen ausserdem attraktive Begegnungsräume. 

Den dritten Preis vergibt die Jury an die sanierte Falkenhütte in Hinterriss im österreichischen Karwendel-Gebirge. Das Berggasthaus gliedert sich zurückhaltend in die hochalpine Landschaft ein. Das Architektenteam hat die bestehenden Gebäudeteile aus den 1920er- und 1960er-Jahren erhalten und die neuen Anbauten darauf abgestimmt. Die Falkenhütte ist ausserdem der zum zweiten Mal gekürte Publikumsfavorit.

Die Jury verlieh zusätzlich Anerkennungen an folgende Projekte:

  • Studierendenwohnheim Ernas Haus, Dornbirn (AT)
  • Wohnbau Friedrich-Inhauser-Strasse (ZeCaRe II), Salzburg (AT)
  • Bürohaus Küng, Alpnach (OW)
  • Sanierung und Erweiterung Mehrzweckgebäude, Fläsch (GR)
  • Schulraumprovisorium Matador, Vaduz (FL)
  • Alpweide Petosan, La Thuile (IT)
  • Haus Šenk, Zgornje Jezersko (SLO)

Constructive Alps
Liechtenstein und die Schweiz vergeben gemeinsam den «Internationalen Preis für nachhaltiges Sanieren und Bauen in den Alpen – Constructive Alps». Das Bundesamt für Raumentwicklung ARE stellt dabei die Schweizer Vertretung. Die Universität Liechtenstein hilft der Jury bei der Prüfung der Objekte und die internationale Alpenschutzkommission CIPRA unterstützt den Wettbewerb organisatorisch. Die Ausstellung zur sechsten Ausgabe des Wettbewerbs «Constructive Alps 2022 – Nachhaltige Architektur von Ljubljana bis Nizza» hat das Alpine Museum der Schweiz für den Aussenraum konzipiert. Sie wird zuerst auf dem Peter-Kaiser-Platz in Vaduz gezeigt. Im Frühling 2023 wird sie in Bern auf einer Brache zwischen dem Museum für Kommunikation und dem Historischem Museum Halt machen.

Alpenkonvention und Klimaaktionsplan
«Constructive Alps 2022» ist ein Beitrag Liechtensteins und der Schweiz zur Umsetzung der Alpenkonvention und deren Klimaaktionsplan. Die Schweiz hat 2021 und 2022 den Vorsitz der Alpenkonvention inne und dabei die Themen Klima, nachhaltige Mobilität, Alpenstädte, nachhaltiges Bauen und die Verkehrsverlagerung in den Vordergrund gerückt. Die Alpenkonvention ist weltweit das erste völkerrechtlich verbindliche Übereinkommen für die nachhaltige Entwicklung einer Bergregion. Die acht Alpenstaaten und die Europäische Union haben gemeinsam einen Klimaaktionsplan verabschiedet, durch dessen Umsetzung die Alpen zur Modellregion für Klimaschutz und -anpassung werden sollen.

 


Adresse für Rückfragen

Marc Pfister, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Bundesamt für Raumentwicklung ARE, Tel. +41 58 460 52 76, marc.pfister@are.admin.ch

Köbi Gantenbein, Präsident der Jury, Tel. +41 79 203 15 21; kgantenbein@rsnweb.ch



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