Digitalisierung der Mobilität: Vorteile für Nutzerinnen und Nutzer, aber auch Herausforderungen für die Gesellschaft

Ittigen, 05.10.2021 - Die Kombination von automatisiertem Fahren und Shared Mobility (Sharing) könnte die Mobilität von Personen und den Güterverkehr stark beeinflussen. Zeitgewinn, mehr Komfort und weniger Unfälle dürften die wichtigsten Auswirkungen sein. Aus volkswirtschaftlicher Sicht wird der Mehrwert für die Nutzerinnen und Nutzer und die Umwelt auf insgesamt 25 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt. Allerdings besteht die Gefahr, dass Automatisierung und Sharing zu einer vermehrten Nutzung des Autos führen und damit bestimmte gesellschaftliche Herausforderungen verschärfen. Eine vom Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) in Auftrag gegebene Studie quantifiziert und monetarisiert diese unterschiedlichen Auswirkungen.

Man weiss nicht, wie und wann, doch die autonomen Fahrzeuge, Carsharing und der bedarfsgesteuerte Verkehr werden unsere Mobilität verändern. Die Autorinnen und Autoren der Studie «Volkswirtschaftliche Auswirkungen der Digitalisierung in der Mobilität» haben sich in das Jahr 2060 versetzt und drei Szenarien entworfen, in denen sich diese Entwicklungen durchgesetzt hätten. Anschliessend nahmen sie eine Einschätzung der Auswirkungen im Vergleich zu einem Referenzszenario vor.

Die Vorzüge der Automatisierung und des Sharings für Nutzerinnen und Nutzer zeigen sich in verschiedenster Form. Durch die geteilte Beschaffung und Nutzung von Fahrzeugen sinken deren Kosten, was allerdings nur einen kleinen Teil des Gesamtnutzens darstellt. Weitere grosse Vorteile ergeben sich daraus, dass die Fahrzeit dank Automatisierung für andere Tätigkeiten genutzt werden könnte und es zu weniger Unfällen käme. Darüber hinaus könnten eine höhere Auslastung der Fahrzeuge und deren Automatisierung den Verkehr verflüssigen und so den Zeitverlust in Staus erheblich reduzieren. Selbst wenn man die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt berücksichtigt, die mit der verstärkten Nutzung des Autos einhergehen, wird der Nettonutzen im Szenario, in dem sich Automatisierung und Sharing im Gleichschritt entwickeln, auf 25 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt.

Weniger positiv dürften die Effekte der Automatisierung jedoch auf die Schweizer Wirtschaft sein. Zum einen könnten durch das automatisierte Fahren Arbeitsplätze in der Schweiz wegfallen. Zum andern werden Autos beziehungsweise manche ihrer Bauteile heute grossmehrheitlich importiert. Der Anstieg der Kosten und Nutzung von Autos hat zwangsläufig zur Folge, dass der Konsum anderer Güter sinkt, was wiederum die gesamte Wertschöpfung in der Schweiz verringert. Ein Szenario, in dem sich die Automatisierung ohne Sharing durchsetzen würde, zeitigte einen Verlust für die Schweizer Wirtschaft von geschätzten rund 8,6 Milliarden Franken pro Jahr. Dagegen würde der Gesamteffekt auf die Wirtschaft im Szenario, in dem sich allein das Sharing etablieren würde, einem jährlichen Nutzen von 3,8 Milliarden Franken entsprechen. Aufgrund der tieferen Anschaffungskosten für gemeinsam genutzte Fahrzeuge würde mehr Geld für wertsteigernde Ausgaben in der Schweiz zur Verfügung stehen.

Diesen möglichen künftigen Entwicklungen muss in den aktuellen Diskussionen zur Verkehrspolitik und Raumentwicklung Rechnung getragen werden.

Eine explorative Studie
Diese Studie liefert eine wirtschaftliche Analyse der Auswirkungen des automatisierten Fahrens und des Sharings. Grosse Unsicherheit besteht jedoch in Bezug auf den Zeithorizont und die Art und Weise, wie sich diese Trends konkretisieren werden. Zur Abschätzung ihrer Effekte mussten in dieser Studie daher zum Teil starke Annahmen getroffen werden.

Um die Auswirkungen der Trends besser verstehen zu können, haben die Autorinnen und Autoren diese auch einzeln betrachtet. In den Szenarien nicht berücksichtigt haben sie andere Entwicklungen, die möglicherweise gleichzeitig eintreten werden, wie etwa Homeoffice oder weitergehende Urbanisierung. Szenarien, die diese verschiedenen Trends miteinander kombinieren, entwirft das ARE im Rahmen der Verkehrsperspektiven.


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