Schutz und Nutzung von Gewässern im Aare- und Gürbetal

Munter fliessende Bäche, breite Flüsse und ruhig daliegende Seen prägen viele Landschaften. Um diese Gewässer und deren Uferbereiche entstehen jedoch Kontroversen, wenn es um die Nutzung und den Schutz des Wassers geht. Das ist auch dann der Fall, wenn beim Schutz von Menschen und Gütern vor dem Wasser verschiedene Interessen aufeinander prallen. Das Amt für Wasser und Abfall (AWA) des Kantons Bern bringt mit einem Modellvorhaben entlang von Aare und Gürbe neuen Schwung in die Debatte: Die volkswirtschaftliche Sicht erlaubt es, neue finanzielle Ausgleichsmechanismen zu prüfen.

Bild: Begradigte und kanalisierte Gürbe unterhalb ARA Gürbetal.
Begradigte und kanalisierte Gürbe unterhalb ARA Gürbetal.

Von der Ressource Wasser profitieren viele, und die Gewässer und ihre Uferbereiche werden vielfältig genutzt: Trinkwasserfassung, Stromerzeugung, Abwasserreinigung, forstwirtschaftliche Nutzung der Uferbewaldung, Hochwasserschutz, Gewässerschutz, Biodiversität, Freizeit, Erholung und vieles mehr beanspruchen Platz, Ressourcen und Aufmerksamkeit. So treffen rund um den Schutz und die Nutzung von Gewässern viele Interessen aufeinander – oftmals mit erheblichem Konfliktpotenzial. Auch wenn versucht wird, den vielfältigen Ansprüchen und Zielen mittels eines integralen Einzugsgebietsmanagements (IEM) gerecht zu werden, scheitern gute Lösungen oft an der praktischen Umsetzung auf lokaler Ebene.

Übergreifende Betrachtung ist notwendig

Das Modellvorhaben «Ausgleichsmechanismen zur Umsetzung von IEM-Massnahmen» hat solche Konflikte anhand von konkreten Fällen entlang von Aare und Gürbe genauer unter die Lupe genommen und nach neuen Wegen gesucht. Dank innovativer Inputs beteiligter Fachleute und mithilfe einer neutralen Moderation kamen konkrete Vorschläge zur Umsetzung und Finanzierung sektorübergreifender Lösungen zustande. Wasserressourcen, Gewässer und Infrastrukturen als System zu verstehen, und in einem bestimmten Einzugsgebiet gesamthaft und einheitlich zu bewirtschaften, macht den Kern eines IEM aus. Die gesamtheitliche Bewirtschaftung in der Region kann mit der Einrichtung einer IEM-Agentur möglicherweise verbessert werden. So können kleinräumiges Denken und Partikularinteresse besser überwunden werden können.

Finanzielle Ausgleichsmechanismen zur Überwindung von Zielkonflikten

Ein bedeutender Schritt wurde dank verstärkter volkswirtschaftlicher Betrachtung gemacht: Die bestehenden Instrumente mit zweckgebundenen Gebühren, Abgaben oder Subventionen können zwar ökonomisch ausgleichend zwischen Gewinnern und Verlierern wirken. Wenn es aber um die Finanzierung von integralen Massnahmen geht, braucht es weitergehende finanzielle Mechanismen. Über höhere Anforderungen an Subventionen können Bund und Kantone gute Lösungen fördern: Wer grossräumig und sektorübergreifend plant, kann in den Genuss eines Bonus kommen. Zudem kann eine teilweise Aufhebung der Zweckbindung von Beiträgen aus Spezialfonds die Schaffung ganzheitlicher Ansätze begünstigen. Über einen Ansatz mit Ökopunkten oder Ökogutschriften lässt sich eine zeitliche und räumliche Flexibilisierung der Massnahmen erreichen, was viele Diskussionen entkrampfen kann.

Inspiration für weitere Debatten

Die dank dem Modellvorhaben erarbeiteten Vorschläge bereichern Debatten für eine ganzheitlichere Wasserwirtschaft, denn die volkswirtschaftliche Sichtweise bringt neue Argumente, die bisher mehrheitlich durch naturwissenschaftliche und technische Perspektiven geprägt ist. Die Übersicht über die verschiedenen Anreiz- und Ausgleichssysteme ist inspirierend und kann zu besserer und rascherer Überwindung von Interessenkonflikten führen. Die Erkenntnisse aus dem Modellvorhaben werden für Arbeiten und Tagungen der Wasserwirtschaft – auch im Rahmen der Wasser-Agenda 21 – genutzt.

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Kontakt

Abteilungsleiter AWA

Stefan Hasler

+41 31 633 39 32

 

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