Förderprogramm 2021-2022: Ressourcenleichte Gesellschaft

Das Bundesamt für Raumentwicklung unterstützt im Rahmen des Förderprogramms Nachhaltige Entwicklung elf innovative und reproduzierbare Projekte für eine ressourcenleichte Gesellschaft (SDG 12).

Förderprogramm 2021-2022
© Federica Bordoni

Von SmartketPlace bis GE Consomme Local

Seit mehreren Jahrzehnten verschwinden immer mehr kleine Geschäfte und Handwerksbetriebe von der Bildfläche, weil sie dem Konkurrenzdruck durch die Grossverteiler – und in jüngerer Zeit durch multinationale E-Commerce-Unternehmen – nicht standhalten können. Dies schwächt das lokale Wirtschaftsgefüge und verschärft die Klimakrise.

Die zahlreichen lokalen Plattformen, die in den letzten Jahren geschaffen wurden, konzentrieren sich auf einzelne Sektoren, weshalb sie nicht mit den grossen Plattformen mit ihrem umfassenden Angebotsspektrum konkurrieren können.

Als Antwort auf diese gewerbliche, wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Herausforderung treiben die zwei Westschweizer Wirtschaftsverbände APRÈS – das Genfer Netzwerk der Sozial- und Solidarökonomie – und Monnaie Léman – der
Träger der Lokalwährung des Genferseebeckens – ein zweiteiliges Projekt voran, das aus dem Hackathon «Versus Virus» (April 2020) hervorgegangen ist:

Bei SmartketPlace handelt es sich um einen universellen digitalen Marktplatz, der generisch und reproduzierbar ist und zur Förderung einer lokalen und nachhaltigen Kreislaufwirtschaft beitragen soll. Mit dieser Open-Source-Lösung kann der gesamte E-Commerce-Prozess verwaltet werden: von der Registrierung von Personen und Unternehmen über ein Protokoll, das den Schutz von Personendaten gewährleistet, bis hin zum Verkauf/Kauf von Waren und Dienstleistungen einschliesslich der Erstellung eines «Warenkorbs», verschiedener Zahlungsmethoden und der Heimlieferung.

GE Consomme Local ist eine Meta-Plattform für E-Commerce, die gezielt für den Raum Genf entwickelt wurde und Unternehmen bei der Transition unterstützen soll. GE Consomme Local ist die lokale Ausprägung der Lösung SmartketPlace, die auch in anderen Teilen der Welt reproduziert und angepasst werden kann.

Kontaktperson: Antonin Calderon, antonin.calderon@apres-ge.ch

www.apres-ge.ch

Urban Future Lab

Mit dem Urban Future Lab (Reallabor) Webergut Zollikofen will die Berner Fachhochschule (BFH-HAFL; BFH-AHB) angelehnt an die SDGs 3, 10, 11, 12 und 13 mit Bewohnerinnen und Bewohner unterschiedlicher sozio-demographischer Hintergründe einen urbanen Wohnraum erforschen, der im Unterschied zur Wohngenossenschaft eine ko-kreative Vorgehensweise mit einer nachhaltigen Wohn- und Ernährungsform verbindet. Erwünscht ist ein gutes Leben innerhalb eines Konsumkorridors. Gerade Nischenbewegungen wie urbane Dörfer haben das Potential, bestehende Strukturen zu transformieren. Mithilfe des Reallabors wollen wir Bedürfnisse des Zusammenlebens in einem Proberaum untersuchen (Social Prototyping). Die Forschungsfrage lautet: Wie können in den Handlungsfeldern Ernährung und Wohnen Bedürfnisse eines guten nachhaltigen Lebens und damit zusammenhängende Herausforderungen gemeinsam gemeistert werden?

Kontakte: Dr. phil. Evelyn Markoni und Dr. agr. Franziska Götze (BFH-HAFL); evelyn.markoni@bfh.ch

www.bfh.ch/en/research/research-projects/2021-431-896-619/

www.urbanedoerfer.ch/projekte/zollikofen

Gemeinsam Zero Waste anpacken

Eine der Herausforderungen im Umweltschutz besteht darin, Abfälle an der Quelle zu vermeiden. ZeroWaste Switzerland hat beschlossen, das erste nationale Netzwerk von Geschäften und Restaurants aufzubauen, die Mehrwegbehälter und -verpackungen anbieten, um so die Abfallmenge in der Schweiz gesamthaft zu reduzieren. Das Projekt «Gemeinsam Zero Waste anpacken!» hat folgende Ziele:

Geschäfte und Restaurants für das Problem der Einwegverpackungen sensibilisieren und sie über die verschiedenen wiederverwendbaren Alternativen informieren;  alle Zero-Waste-freundlichen Geschäfte und Restaurants auf der geolokalisierbaren Karte von ZeroWaste Switzerland auflisten;  den Projektaufkleber «Hier füllen wir eure eigenen Behälter» in Geschäften anbringen, die sich für Zero Waste einsetzen, damit sie von Kundinnen und Kunden leichter identifiziert werden können; den Geschäften und Restaurants Seminare zu Zero-Waste-Themen und Umweltfragen anbieten.

Kontaktperson: Ellinor Lakhdari, ellinor.lakhdari@zerowasteswitzerland.ch

www.zerowasteswitzerland.ch/fr/notre-offre/projets/commerce/

CircularCity: Ein Tauschmobil für Zürich

Mit dem Projekt CircularCity werden die Probleme Rohstoffverknappung, Abfallmengen und Umweltbelastungen schweizweit und letztendlich weltweit angegangen. Die Lebensdauer von Gegenständen wird verlängert, indem diese geteilt, wiederverwendet, repariert oder aufgewertet werden. Dies schont sowohl die Umwelt als auch das Portemonnaie der Bevölkerung.

Um den Weg zu neuen Routinen zu erleichtern, werden die Bewohnerinnen und Bewohner vor Ort mithilfe des Tauschmobils zu den Themen Reuse, Repair und Upcycling sowie lokalen Angeboten und ihren eigenen Handlungsmöglichkeiten informiert. Begleitende Aktivitäten laden dazu ein, das Tauschmobil und lokale Angebote im Themenbereich kennenzulernen und zu nutzen. Es wird ein Bewusstsein für ein neuartiges, CO2-freundliches Konsumverhalten geschaffen.

Kontaktperson: Karin Witschi, karin.witschi@myblueplanet.ch

www.myblueplanet.ch/circular-city/

Projektbeschrieb «Klimadialog - Food Waste und Energie»

Die Stadt Wil startet den Klimadialog und sensibilisiert ihre Einwohnerinnen und Einwohner für die Themen Klimaschutz und Nachhaltige Entwicklung.

Die Einwohnerinnen und Einwohner entwickeln ein Bewusstsein für ihre Umweltwirkung im Alltag und erfahren, wie ein verantwortungsvoller Konsum lustvoll eingebunden werden kann. Im Rahmen von kreativen Workshops und Gesprächen mit der Stadt, Fachexpertinnen und Fachexperten sowie den teilnehmenden Haushalten untereinander, setzen sich die Teilnehmenden insbesondere mit den Themen Food Waste sowie Energie und Mobilität auseinander. Mit Hilfe spielerischer Tools erkennen sie ihre Umweltwirkung. Dabei lernen sie die nachhaltigen Angebote von und in der Stadt Wil kennen und entwickeln für sich passende, alltagstaugliche Massnahmen. Ein nachhaltigerer Lebensstil ist machbar und kann Spass bereiten. Diese Botschaft wird in Form von Portraits der teilnehmenden Haushalte der Wiler Bevölkerung zugänglich gemacht. Positive Bilder und Erfolge stehen im Mittelpunkt der Kommunikation.

Für die Stadt Wil resultieren die Erkenntnisse aus dem Klimadialog in Handlungsempfehlungen, um die nachhaltige Entwicklung in den Bereichen Food Waste und Energie bei ihren Einwohnerinnen und Einwohnern zu fördern.

Kontaktpersonen: Sunna Seithel, seithel@intep.com ; Heidi Mittelbach, mittelbach@intep.com

www.intep.com

Pick-it-up: Einfach Leihen

Ziel des Pilotprojekts «Pick-it-up: Einfach Leihen» ist die quantitative Förderung suffizienten, ressourcenschonenden Handelns durch eine tägliche und einfache Verfügbarkeit von Leihobjekten innerhalb des Basler Quartiers Kleinbasel. Das Projekt umfasst die Erarbeitung und Erprobung einer Paketschrank-Anlage zum Ausleihen und Zurückbringen von Leihobjekten aus dem Leihlager. Das Leihlager ist eine Bibliothek der Dinge, die vom gleichnamigen gemeinnützigen Verein betrieben wird. Das Leihlager besitzt über 400 hochwertige Leihobjekte: Ob Drohne, Schlagbohrmaschine oder Zelt - hier gibt es Objekte für nahezu alle Lebenslagen und Interessengebiete. Die Pick-Up-Station wird im öffentlich zugänglichen Erdgeschoss des neu renovierten
Hauptbaus des Kulturzentrums Kaserne im Zentrum Basels stehen.

Kontaktperson: Noël Michel, info@leihlager.ch

www.leihlager.ch

Teilen statt Besitzen?

Wenn wir alle unsere derzeit kaum genutzten Objekte [UMA1] mit anderen Menschen teilen würden, könnte jede und jeder Einzelne von uns auf den Kauf von 20 Gegenständen verzichten und dadurch den individuellen Umweltfussabdruck entsprechend verkleinern! Sogenannte Bibliotheken der Dinge können dabei helfen, quantitativ weniger, dafür qualitativ hochwertigere Produkte zu konsumieren und gleichzeitig Gegenstände optimaler zu nutzen. Immer mehr solcher Bibliotheken bieten Werkzeuge, Nähmaschinen oder Fondue-Caquelons zum Verleih an. Diese Kultur des Teilens, die einen ressourcenschonenden Lebensstil ohne Komforteinbussen ermöglicht, soll gefördert werden. Die Westschweizer Genossenschaft «La Manivelle» wird ein Instrument zum Austausch von guten Praktiken erarbeiten, damit diese Art von Projekten in allen Schweizer Städten umgesetzt werden kann.

Kontaktperson: Robert Stitelmann, info@manivelle.ch

Kreislaufwirtschaft in ländlich abgeschlossenen Gebieten am Beispiel Oberwallis

Unsere Gesellschaft produziert täglich immense Mengen an Abfall. Aus diesen sogenannten Nebenströmen aus Industrie oder Gewerbe könnten durch innovative Ideen neue, nachhaltige Produkte geschaffen werden.

Dieses Projekt möchte am Beispiel der Region Oberwallis in einem systematischen Ansatz zeigen, wie in ländlichen Regionen eine funktionierende Kreislaufwirtschaft aufgebaut und evaluiert werden kann. Mit Hilfe von im Rahmen des Projektes zu erarbeitenden Kriterien wird entschieden, ob und in welchen Gewerbebranchen Kreisläufe rentabel aufgebaut werden können. Zudem soll ein geeignetes Produkt testweise umgesetzt und so die erstellten Kriterien validiert werden. Die Vertreter des Oberwalliser Gewerbes sollen dabei aktiv am Prozess teilnehmen. Damit soll der Grundstein gelegt werden für nachhaltigere regionale Konsum- und Produktionsmuster, entsprechend Ziel 12 der Agenda 2030. Ziel ist eine nachhaltigere, ressourcenschonendere Wirtschaft für künftige Generationen.

Kontaktperson: Evelyn Zenklusen Mutter, evelyn.zenklusen@rw-oberwallis.ch

www.rw-oberwallis.ch/projekte/kreislaufwirtschaft-beispiel-oberwallis

Klimaball: Wanderausstellung für eine klimaneutrale und nachhaltige Gesellschaft

Der Klimaball ist eine rund drei Meter hohe Kugel, die als Projektionsfläche für Fakten und Handlungsempfehlungen für ein klimaneutrales, ressourcenschonendes Leben dient. 2022 besucht er mindestens acht Schweizer Städte. Als mobile Ausstellung erreicht der Klimaball eine breite Bevölkerung. Passantinnen und Passanten sind eingeladen, sich niederschwellig mit Massnahmen zum Klimaschutz auseinanderzusetzen. Interaktive Elemente fördern die Teilhabe und regen zu Aktivitäten und Lösungen an. Zudem werden die Meinungen der Besuchenden erfasst und mit partizipativen Elementen sowie Begleitveranstaltungen eine Diskussionsplattform geboten. Diese unterstützt die Konsensfindung. Mit allen Aspekten wird der Klimaball so zum Mutmacher.

Kontaktperson: Sonja Koch, info@klimaball.ch

Weitere Informationen ab Frühling 2022 unter www.klimaball.ch.

Suffizienz: Was braucht es für ein «gelungenes Leben»?

Suffizienz ist eine Nachhaltigkeitsstrategie, die bei Fachleuten schon lange als wichtig gilt - bei Individuen, Organisationen und Gesellschaft ist sie noch kaum angekommen. Im Impact Lab Suffizienz erarbeiten 20 Teilnehmende Strategien für suffizientes Handeln. Sie setzen sich zunächst individuell mit der Frage auseinander, was sie für ein gelungenes Leben brauchen. Anschliessend verankern sie als Influencerinnen und Influencer Suffizienz in ihrem Umfeld mit einem Projekt. Der Prozess ist iterativ, kollaborativ und beinhaltet Expertinnen-Impulse und Coaching. Zudem nehmen die Teilnehmenden die Öffentlichkeit auf ihre Reise mit: An Anlässen geben sie ihr Wissen weiter, treten in Dialog und laden zum Mitmachen ein.

Kontaktperson: Fabian Leuthold, f.leuthold@me.com

HappyLess – Wie viel Wenig ist genug?

HappyLess – die mobile Ausstellung über das Glück, die neue Genügsamkeit und unsere Zukunft. Zum 10-jährigen Jubiläum des Juraparks Aargau tourt HappyLess durch den Park und macht Halt in vier Gemeinden. Die Ausstellung sensibilisiert die lokale Bevölkerung für Themen der Suffizienz als zwingendes Element einer nachhaltigen Lebensweise. Interaktiv gestaltete Stationen laden ein zur Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgestaltung und zeigen Perspektiven hin zu mehr Nachhaltigkeit. Führungen für Schulklassen und Erwachsene geben Einblick in Themen der Suffizienz. Gleichzeitig vernetzt HappyLess lokale Akteure, Ressourcen und Kompetenzen im Bereich Nachhaltigkeit und Klimaschutz und bietet Projektpartnern eine Plattform zur Darstellung eigener Initiativen und Agenden.

Kontaktperson: august.pfluger@happyless.ch

Verein «Wie viel Wenig ist genug?»: www.happyless.org

Kontakt

Bundesamt für Raumentwicklung ARE

Tina Leiser

Kontaktinformationen drucken

https://www.are.admin.ch/content/are/de/home/nachhaltige-entwicklung/programme-und-projekte/foerderprogramm/2021-2022.html